37. Hohnsteiner Puppenspielfest
(23. – 25. Mai 2025)

Vom 23. bis 25. Mai 2025 verwandelte sich Hohnstein, liebevoll mit Wimpeln geschmückt, wieder einmal in eine lebendige Bühne: Die Burg, die Kirche, die Rathausstraße, das Max Jacob Theater und andere Plätze füllten sich mit Geschichten, Musik und kleinen Wundern. Menschen begegneten sich – und überall lag Puppenspielfest-Stimmung in der Luft.

Auftakt mit Anspruch
Der Auftakt am Freitagabend war vielversprechend: Begleitet von Dreharbeiten des MDR am Nachmittag begann das Fest mit einer bewegenden Eröffnungsveranstaltung. Das anspruchsvolle Stück Die geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre stieß auf große Resonanz. Die Aufführung und die eindrucksvolle Rede von Rainer Krause (Hohnsteiner Puppenspielfest e. V.) stimmten das Publikum wunderbar auf die kommenden Tage ein.

Theater, Märchen und Geschichten mit Tiefe
Über das Wochenende hinweg wurde in Hohnstein gestaunt, nachgedacht – und gelacht. Einige Aufführungen griffen ernste Themen auf: So zeigte Bitte lächeln! von Sharareh Tayar in iranischer und deutscher Sprache einfühlsam, wie schwierig es sein kann, Freunde zu finden, ohne dabei sich selbst zu vergessen. Die junge Giraffe Gigi erlebt dabei spielerisch, aber zugleich nachdenklich, wie sie ihren Platz in der Gemeinschaft findet.

Andere Stücke entführten das Publikum in fantasievolle Welten: Der gestreifte Kater und die Schwalbe Sinhá erzählte von Freundschaft, Zusammenhalt und Mut in einem kleinen Dorf. Spaßige Abenteuer wie Professor Humbug, Zirkus Puppenkonzert und die musikalischen Darbietungen von Theater Salz+Pfeffer begeisterten Kinder und Erwachsene. Besonders interaktiv war das Mitmachtheater: Beim Märchenstück Der gestiefelte Kater konnten die Kinder selbst in Rollen schlüpfen und Teil der Geschichte werden.

Dies sind nur einige der vielen Aufführungen – jeder Künstler und jedes Stück hätte es verdient, hier erwähnt zu werden.

Nachwuchs mit Leidenschaft
Besonders eindrucksvoll waren die Auftritte unserer Nachwuchskünstler: Die jungen Talente mit ihren Fangruppen spielten mit Kreativität und Begeisterung und erlebten hautnah, was es bedeutet, auf einem eng getakteten Festival aufzutreten – ein wertvoller Einblick in die Herausforderungen der professionellen Bühne. Die studierten Nachwuchskünstler:innen präsentierten ein aufwendig inszeniertes Stück, darunter mutig das Stück Heinrich der Fünfte. Mit diesem Stück griffen sie ein heikles Thema auf – Krieg – das oft schwer zu vermitteln ist, und meisterten es auf eindrucksvolle Weise, sodass auch junge Zuschauer:innen die Inhalte nachvollziehen konnten. Sie überzeugten nicht nur durch ihre schauspielerische Leistung, sondern investierten auch viel Mühe in den Aufbau der Kulisse und die Detailgestaltung, sodass das Stück sowohl inhaltlich als auch visuell beeindruckte. So zeigte das Puppenspielfest einmal mehr, dass es eine Plattform für die nächste Generation ist – spannend, vielseitig und voller kreativer Energie.

Samstagabend – Theater und Spaß
Zunächst präsentierte Peter Waschinsky im Max Jacob Theater Dr. Faust. Waschinsky, ein Meister des Puppenspiels und einer der bedeutendsten deutschen Puppenspieler und Theatermacher seiner Generation, prägte seit den 1970er Jahren das Figurentheater mit eigenwilligen und einfallsreichen Inszenierungen. Die Aufführung markierte seinen Abschied von der Regie. Mit Dr. Faust griff er noch einmal einen klassischen Stoff auf und brachte ihn in seiner unverwechselbaren Handschrift auf die Bühne.

Am späteren Abend zeigte Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben seine besondere Mischung aus Ernst und Humor: Einzelne Gäste wurden aktiv ins Stück eingebunden und mussten mit Geräuschen die Aufführung unterstützen. Trotz des ernsten Themas lachte das Publikum ausladend, war mitten im Geschehen und erlebte das Stück so hautnah. Hinterher luden die Künstler die großen Gäste zu einem kleinen Schnaps ein, ein lustiger und herzlicher Abschluss eines intensiven Theaterabends.

Ein stimmungsvoller Ausklang
Am Abend trafen sich Künstler:innen, Helfende und Gäste im Burghof und in der Schnitzwerkstatt. Den ganzen Tag über konnten die Besucher:innen in der Schnitzbude den Künstlerinnen beim Holzschnitzen über die Schulter schauen und hautnah erleben, wie aus Holz kleine Kunstwerke entstehen. Bei Licht, Musik und Gesprächen klang das Festival in herzlicher Atmosphäre aus – ein Moment, der die Verbundenheit zwischen Publikum und Mitwirkenden spürbar machte.

Kreativität zum Mitmachen
Ein besonderes Angebot waren die Mitmachaktionen: In Workshops entstanden selbstgebaute Puppen und kleine Klanginstrumente, die die Kinder stolz mit nach Hause nahmen. Die Zirkuskiste lud Groß und Klein dazu ein, ihre Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. Und vor allem: Sie brachte die Kinder hoch von ihrem Hosenboden – plötzlich wurde nicht mehr nur zugeschaut, sondern mitgemacht und ausprobiert. So entstanden persönliche kleine Kunstwerke und kreative Momente, die das Fest bereicherten und allen Beteiligten im Gedächtnis bleiben.

Musik, Straßenkunst & leise Geschichten
Nicht nur auf den Bühnen, auch auf den Straßen war das Fest präsent: Akkordeons und Trommeln begleiteten den Weg, bemalte Steine schmückten den Rathaushof. Unter Regenschirmen wurden leise Geschichten erzählt, während in der Nähe Ponys schnaubten und ihre Runden drehten – ruhige Augenblicke mitten im bunten Trubel. Für musikalische Momente sorgten die Musikschüler aus Hohnstein und seinen Ortsteilen. Dazu kamen spontane Trommeln und Akkordeonklänge, bei denen auch die Besucher selbst ausprobieren konnten, und im Burghof spielte die Band Krambambulli, die für besondere Stimmung sorgte.

Dank & Ausblick

Ein herzliches Dankeschön an unser treues Publikum, an alle Mitwirkenden, Helfer:innen und Unterstützenden – ohne sie wäre dieses vielseitige Programm nicht möglich gewesen.

Wir freuen uns schon jetzt auf das 38. Hohnsteiner Puppenspielfest vom 29.–31. Mai 2026, wenn wir gemeinsam 40 Jahre Festgeschichte feiern: mit zahlreichen Beiträgen aus der heimischen Puppenspielszene, internationalen Gästen, besonderen Programmhöhepunkten und kreativen Überraschungen.